Freitag, Juni 21, 2024

„Digitale Medizin wäre erfolgreicher, hätte man vorher Frauen gefragt“ / E-Health-Expertin Professorin Sylvia Thun über Chancen der neuen Medizintechnik-Sparte Femtech

Baierbrunn (ots) – Femtech – so nennt sich eine neue Medizintechnik-Sparte, die sich explizit um die gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen kümmert. Die digitalen Anwendungen sind innovativ und haben das Potenzial, die Forschung und Datenlage zum weiblichen Körper zu verbessern. Warum das dringend nötig ist, erklärt Professorin Sylvia Thun, Ärztin, Ingenieurin sowie Direktorin für E-Health und Interoperabilität am Berliner Institut für Gesundheitsforschung der Stiftung Charité, im Gespräch mit dem Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“.

„Die Prostata allein macht ja auch keinen Mann aus“

Zyklus-Apps oder smarte Armbänder gegen Hitzewallungen – all das gibt es bereits. Doch können derartige Applikationen und Gadgets tatsächlich die Gesundheit von Frauen verbessern – oder sind sie mehr Spielerei? „Für mich gehört beides zusammen: Nur wenn ich Spaß an einer Software habe, nutze ich sie auch“, sagt Sylvia Thun. „Forscherinnen und Forscher, die sich mit dem weiblichen Körper beschäftigen, erhalten so Daten, die sie sonst nie bekommen hätten. So begreifen wir den Zyklus und Erkrankungen, die damit einhergehen, besser.“ Doch man sollte unter Femtech nicht nur Produkte für Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Verhütung oder die Wechseljahre verstehen, so die Professorin: „Die Prostata allein macht ja auch keinen Mann aus.“

Femtech müsse deshalb viel breiter angegangen werden, fordert Thun. „Das ist ein entscheidender Schritt hin zu einem besseren Verständnis von geschlechterspezifischen Krankheitsbildern.“ Es sei längst überfällig, dass die „Blackbox Frau“ geöffnet wird. Nach wie vor aber werde der weibliche Körper in der Wissenschaft vernachlässigt, beklagt die Forscherin.

Digitale Medizin nach wie vor von Männern dominiert

Angesichts der innovativen digitalen Entwicklungen von Femtech wünscht sich Thun generell mehr Mut zur Technik – und zu Daten: „Nur so kommen wir zu schnelleren Diagnosen und besseren Behandlungen. Aber die Angst der Deutschen vor dem Teilen von Daten ist ein Problem. Dabei sind wir alle froh, wenn es neue Therapien gibt.“

Entscheidend ist es aus Sicht von Sylvia Thun, Frauen an den digitalen Entwicklungen zu beteiligen. Dies sei in Deutschland allerdings noch überhaupt nicht der Fall. Die digitale Medizin sei von Männern dominiert. „Vieles wäre erfolgreicher, hätte man vorher Frauen gefragt“, betont die Charité-Professorin, die das Netzwerk #SheHealth gegründet hat, um das Engagement von Frauen in der digitalen Medizin stärker sichtbar zu machen und das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Fragen zu schärfen.

Diese Meldung ist nur mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 8B/2021 ist aktuell in den meisten Apotheken erhältlich. Viele weitere interessante Gesundheits-News gibt es unter https://www.apotheken-umschau.de sowie auf Facebook (https://www.facebook.com/Apotheken.Umschau/) und Instagram (https://www.instagram.com/apotheken_umschau/).

Pressekontakt:
Katharina Neff-Neudert
Tel. 089 / 744 33 360
E-Mail: [email protected]
www.wortundbildverlag.de
Original-Content von: Wort & Bild Verlag – Gesundheitsmeldungen, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

Mehr vom Autor

Aktiv gegen Hautkrebs: WATCH OUT AT THE BEACH / UV-Warnsystem von Küstenregionen auf Oberbayern ausgeweitet

Bonn/Hamburg (ots) - Freizeitaktivitäten im Freien genießen, gut geschützt vor krebserzeugender UV-Strahlung: Dies ist das Anliegen von...

NEU: WICK ZzzQuil® Gute Nacht Spray mit Melatonin / Die Einschlafhilfe* im einfach anzuwendenden Sprayformat

Schwalbach am Taunus (ots) - Vielen Menschen fällt es schwer, einzuschlafen - vor allem, wenn der Alltagsstress...

54.000 Stimmen ignoriert: Lauterbach Zustimmung zum Verbot von E-Zigaretten Aromen bedroht öffentliche Gesundheit und Demokratie

Berlin (ots) - Vor dem anstehenden EU Gesundheitsministerrat (EPSCO), schlagen E-Zigaretten Konsumenten wegen eines aggressiven Vorstoßes (https://www.eureporter.co/health/tobacco-2/2024/06/13/proposed-tobacco-rule-changes-both-undermine-eu-law-making-and-threaten-to-put-lives-at-risk/)...

3 neue Therapien gegen Glaukom, trockene Augen, Alterssichtigkeit / 6.000 Augenärzte treffen sich beim DOC-Kongress in Nürnberg und informieren sich über neue Behandlungsmethoden

Nürnberg (ots) - In nur wenigen ärztlichen Fachgebieten macht die Medizin so schnelle Fortschritte wie in der...

Ähnliche Artikel

Advertismentspot_img

Neueste Beiträge

Aktiv gegen Hautkrebs: WATCH OUT AT THE BEACH / UV-Warnsystem von Küstenregionen auf Oberbayern ausgeweitet

Bonn/Hamburg (ots) - Freizeitaktivitäten im Freien genießen, gut geschützt vor krebserzeugender UV-Strahlung: Dies ist das Anliegen von WATCH OUT. Das leicht verständliche UV-Warnsystem wurde...

NEU: WICK ZzzQuil® Gute Nacht Spray mit Melatonin / Die Einschlafhilfe* im einfach anzuwendenden Sprayformat

Schwalbach am Taunus (ots) - Vielen Menschen fällt es schwer, einzuschlafen - vor allem, wenn der Alltagsstress sie wachhält. Laut einer Umfrage geben 85...

54.000 Stimmen ignoriert: Lauterbach Zustimmung zum Verbot von E-Zigaretten Aromen bedroht öffentliche Gesundheit und Demokratie

Berlin (ots) - Vor dem anstehenden EU Gesundheitsministerrat (EPSCO), schlagen E-Zigaretten Konsumenten wegen eines aggressiven Vorstoßes (https://www.eureporter.co/health/tobacco-2/2024/06/13/proposed-tobacco-rule-changes-both-undermine-eu-law-making-and-threaten-to-put-lives-at-risk/) mehrerer EU-Gesundheitsminister, Aromen für weniger schädliche Nikotinalternativen...