Sonntag, Dezember 14, 2025

Studie untersucht Auswirkungen von Cannabiskonsum auf die Arbeitssicherheit / BGHW und Universität München starten Projekt / Ziel: Handlungssicherheit für Unternehmen

Mannheim/München (ots) –

Ein Jahr nach der Teillegalisierung von Cannabis herrscht vielerorts Unsicherheit im Umgang mit der Droge am Arbeitsplatz. Besonders in Berufen mit hohen Sicherheitsanforderungen – wie der innerbetrieblichen Logistik oder dem gewerblichen Straßenverkehr – stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat Cannabiskonsum auf die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten?

Um diese Lücke in der Forschung zu schließen, hat die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eine umfassende, praxisorientierte Studie initiiert. Sie ist die erste ihrer Art weltweit, die gezielt die Auswirkungen von THC auf Arbeitstätigkeiten im Handel und in der Logistik wissenschaftlich untersucht.

„Die Forschungslage zu Cannabis im Kontext der Arbeitssicherheit ist bislang unzureichend. Unternehmerinnen und Unternehmer wissen oft nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen“, sagt Dr. Klaus Schäfer, Präventionsleiter der BGHW. „Unser Ziel ist es, mit validen Daten mehr Klarheit und Orientierung zu schaffen – für Führungskräfte wie auch für Beschäftigte.“

Realitätsnahe Tests unter ärztlicher Aufsicht

Im ersten Teil der Studie wurden Gabelstaplerfahrende nach dem Konsum von Cannabis unter medizinischer und psychologischer Begleitung getestet. Auf dem Gelände eines Schulungszentrums in Hessen absolvierten 32 Probandinnen und Probanden ein intensives Testprogramm. Medizinische Untersuchungen und Blutanalysen begleiten die Tests. Ein zweiter Studienteil mit Fahrerinnen und Fahrern von Pkw und Kleintransportern läuft derzeit.

„Die Reaktionen auf THC variieren stark – von auffälliger Euphorie bis hin zu starker Ermüdung. Eine klare Verbindung zwischen Wirkstoffkonzentration im Blut und Leistungseinschränkungen lässt sich bislang nicht ziehen“, erläutert Verkehrsmediziner Dr. Matthias Graw von der LMU, der die Studie federführend begleitet.

Unterstützung durch Selbstverwaltung und Institutionen

Auch innerhalb der Selbstverwaltung der BGHW erfährt das Projekt breite Zustimmung: Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite begrüßen die Initiative. Denn die Verunsicherung in den Betrieben sei groß. Wissenschaftlich fundierte Aufklärung sei wichtig, um Unternehmen mit verlässlichen Spielregeln und Handlungshilfen zu unterstützen.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und der ADAC unterstützen die Initiative ebenfalls. Die Ergebnisse sollen helfen, zukünftige Empfehlungen und Regelwerke zur Arbeitssicherheit nach Cannabiskonsum zu gestalten.

Ergebnisse ab Sommer 2025 erwartet

Die ersten Auswertungen der Studie werden im Sommer 2025 veröffentlicht. Die BGHW erwartet daraus konkrete Impulse für die Präventionsarbeit sowie praxisnahe Handlungsempfehlungen.

Mehr zum Thema:

„Joint rauchen und Stapler fahren? (https://hundertprozent.bghw.de/joint-rauchen-und-stapler-fahren)“: Die Studie der BGHW/LMU zu Cannabiskonsum am Arbeitsplatz.

„Cannabis: ein Jahr nach der Teillegalisierung (https://hundertprozent.bghw.de/cannabis-ein-jahr-nach-der-teillegalisierung)“: Empfehlungen und Materialien zur Prävention in Unternehmen.

Pressekontakt:
Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW)
Unternehmenskommunikation
Siegrid Becker
Tel.: 0621-1835960
E-Mail: [email protected]
Original-Content von: BGHW – Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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