Donnerstag, Juli 25, 2024

„Optimierte Immunantworten durch personalisiertes Impfen“

Berlin (ots) –

„Personalisierte Impfungen“ sollen bestimmte Personengruppen vor schweren Erkrankungen bewahren. Dafür entwickeln pharmazeutische Unternehmen in der Impfforschung spezielle Impfstoffe, veränderte Impfdosen und spezifische Impfrouten. Ein Beispiel ist der Impfstoff gegen Gürtelrose (Herpes Zoster). Dieser wurde gezielt zum Schutz älterer Menschen entwickelt. Eine gute Nachricht!

Jeder Patient ist anders: So unterscheidet sich der eine vom anderen zum Beispiel durch sein Geschlecht, Alter, Gewicht oder Gesundheitszustand – um nur einige körperliche Merkmale zu nennen. „Deswegen reagieren Patientinnen und Patienten auch ganz unterschiedlich auf bestimmte Impfungen“, sagt Dr. Nicole Armbrüster, Expertin für Impfstoffe beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI). Bei älteren und immunschwachen Menschen fällt die Immunantwort schwächer aus als bei jüngeren. Der Fachbegriff dafür heißt Immunoseneszenz. Übergewicht kann ebenfalls eine geringere Immunantwort zur Folge haben. Frauen bilden nach einer Impfung mehr Antikörper als Männer. Warum sollte man also alle Patientinnen und Patienten nach demselben Schema impfen? Um spezifischen Merkmalen von Patientengruppen bei Impfungen stärker zu berücksichtigen, liegen Lösungen in der „Personalisierten Impfung“.

Ältere Menschen besser schützen

„Personalisierte Impfung bedeutet nicht, dass jeder Mensch seinen individuell maßgeschneiderten Impfstoff erhält“, erläutert Armbrüster, „sondern dass Impfstoffe auf bestimmte Personengruppen zugeschnitten sind.“ Auch die Art des Impfstoffes kann sich entscheidend auf die Immunreaktion eines Menschen auswirken. Welcher Impfstoff zum Einsatz kommt, ist insbesondere im Alter relevant. Denn aufgrund der Immunoseneszenz sind ältere Menschen besonders gefährdet für Infektionskrankheiten. Meist treten Infektionskrankheiten im Alter häufiger auf und fallen schwerwiegender aus. „Für solche Patientengruppen wendet die pharmazeutische Forschung zum Beispiel das Konzept der sogenannten personalisierten und prädiktiven Vakzinologie (Wissenschaft der Impfstoffe) an“, erklärt die BPI-Expertin. Prädiktiv heißt, Bevölkerungsgruppen zu definieren, die durch eine personalisierte Impfung vorbeugend von einer Erkrankung besser geschützt werden können.

Gürtelrose: Gezielt entwickelte Impfstoffe für immunschwache Menschen

Ein Beispiel für einen gezielt für ältere Menschen entwickelten Impfstoff ist der Totimpfstoff gegen Herpes Zoster, umgangssprachlich Gürtelrose genannt. Die ansteckende Erkrankung wird wie Windpocken durch Varizella-Zoster-Viren hervorgerufen. Hat man in jüngeren Jahren Windpocken gehabt, nisten sich diese Viren in den Nervenzellen im Körper ein. Etwa 99,5 Prozent der über 50-Jährigen tragen das Virus im Nervensystem. Wird das Immunsystem schwächer – zum Beispiel bei älteren Menschen – können diese Viren wieder aktiv werden und einen schmerzhaften Ausschlag, die Gürtelrose, hervorrufen. Die stechenden und brennenden Nervenschmerzen können nach Abklingen des Hautausschlags noch längere Zeit andauern. Der Totimpfstoff gegen Herpes Zoster enthält ein spezielles Molekül, ein sogenanntes Oberflächen-Antigen, das normalerweise auf dem Virus „sitzt“ und das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregt. Antikörper sind Eiweiße, die an das Oberflächen-Antigen binden und die Viren damit außer Kraft setzen. Um die Immunantwort zu verstärken, enthält der Impfstoff außerdem einen speziellen Hilfsstoff (Adjuvans). „Auf diese Weise kann die mit zunehmendem Alter schwächer werdende Immunantwort geboostert werden“, betont Armbrüster.

Zehn Jahre Schutz

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose allen Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Personen mit einer Grunderkrankung wie etwa Diabetes mellitus, einer chronischen Erkrankung der Lunge, Nieren, des Darms sowie einer angeborenen oder medikamentös bedingten Immunschwäche wird geraten, sich bereits ab 50 Jahren gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Die Impfung besteht aus zwei Impfdosen, die laut STIKO im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Wochen verabreicht werden sollten. Die Impfung schützt mindestens zehn Jahre lang. „Ist ein Patient bereits akut an einer Gürtelrose erkrankt, kommen zur medikamentösen Behandlung oftmals antivirale Arzneimittel – sogenannte Virostatika – zum Einsatz. Ihre Wirkstoffe hemmen die Vermehrung der Viren“, erklärt Armbrüster.

Personalisierte Impfstrategie für eine sich verändernde Gesellschaft

Eine immer älter werdende Bevölkerung, immer mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen, mit Übergewicht und Fettleibigkeit erfordern eine personalisierte Impfstrategie, die sie besser vor Erkrankungen schützt. „Mithilfe neuer Technologien werden in der modernen Impfforschung neue Impfstoff-Antigene, verbesserte Wirkstoffverstärker, veränderte Impfdosen und andere Impfrouten – zum Beispiel mobile Impfteams oder Impfungen für zu Hause – entwickelt“, ergänzt Armbrüster. „Das soll insgesamt dazu führen, die Wirksamkeit einer Impfung zu erhöhen und Menschen mit einem schwächeren Immunsystem vor dem Ausbruch bestimmter Erkrankungen gezielt zu schützen.“

Pressekontakt:
Kontakt: Andreas Aumann (Pressesprecher), Tel. 030 27909-123, [email protected]
Original-Content von: BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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