Sonntag, Oktober 2, 2022

Experte der Oberberg Kliniken über das Fasten und die Auswirkungen auf Körper und Psyche

Berlin (ots) –

Jedes Jahr am Aschermittwoch beginnt die offizielle Fastenzeit, die an Ostern, dem wichtigsten christlichen Fest, zu Ende geht. Auch im Islam (Ramadan) oder im Judentum (z. B. Jom Kippur) sowie in anderen Religionen wird regelmäßig gefastet. Viele Menschen verzichten aber auch unabhängig vom religiösen Kontext für eine gewisse Zeit auf bestimmte Nahrungsmittel (häufig Süßigkeiten), Alkohol oder Zigaretten. Was das Fasten bringen kann, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Jähne, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura und der Oberberg Tagesklinik Lörrach.

Positive Effekte des Fastens auf den Körper

Beim Fasten geht es u. a. um die Unterstützung der Regenerationsfähigkeit von Körper und Geist. „Dem Fasten wird ein positiver Effekt auf Körper und Psyche zugeschrieben“, erklärt Dr. Jähne. Eine bewusste Entschleunigung und der Verzicht haben meist eine sensiblere Wahrnehmung und eine gesteigerte Achtsamkeit zur Folge. „Häufig nutzen Menschen diese Zeit zur inneren Einkehr und (Selbst-)Reflexion. Sie nehmen das Tempo für eine bestimmte Zeit aus ihrem Alltag und lassen es etwas langsamer angehen“, so der Experte weiter. Die positiven Effekte sind nicht nur subjektiv wahrnehmbar, sondern auch objektiv messbar. So sinkt beim Nahrungsfasten zum Beispiel der Blutdruck, der Herzschlag wird langsamer und die Konzentration des Botenstoffes Serotonin wird erhöht und bleibt länger im Körper. Man fühlt sich meist weniger gestresst und klarer im Geist. Moderate sportliche Aktivität während der Fastenzeit kann diese positiven Effekte auf Körper und Geist zusätzlich unterstützen.

Einfluss von Ernährung auf die Psyche

Unsere Ernährung nimmt großen Einfluss auf unsere Gesundheit und gilt nicht nur als Auslöser zahlreicher körperlicher Zivilisationskrankheiten (wie z. B. Typ 2 Diabetes mellitus, Adipositas oder diverse Herz- und Gefäßerkrankungen), sondern wirkt sich auch maßgeblich auf unsere Psyche aus. Es gibt Stoffe in unserer Nahrung, die unmittelbar Einfluss auf das Gehirn nehmen. Denn unser Magen-Darm-Trakt ist durchzogen mit einem komplexen Nervengeflecht, das Signale an das Gehirn sendet.

Von zentraler Bedeutung für das Fühlen, Denken und Handeln sind chemische Signalsubstanzen wie Neurotransmitter, Neurohormone, Neuromodulatoren und Neuropeptide. Vitamine und Spurenelemente sind an zahlreichen neurochemischen Reaktionen beteiligt. Wenn sie nicht ausreichend zur Verfügung stehen, kann es zur Störung kognitiver Leistungen oder zu psychischen Befindlichkeitsstörungen kommen.

Eine ausgewogene Ernährungsweise, die durch einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren gekennzeichnet sowie proteinarm und kohlenhydratreich ist, kann einen besseren Umgang mit Stress begünstigen. Daher bietet es sich an, den Verzehr von rotem Fleisch, Milchprodukten und Eiern zu reduzieren und vermehrt zu Getreideprodukten, Gemüse und Obst zu greifen.

Eine langfristige Ernährungsumstellung kann von Ernährungstherapeutinnen und -therapeuten oder anderen Expertinnen und Experten im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung bei psychischen Erkrankungen unterstützend begleitet werden.

Worauf man vor Fastenbeginn achten sollte

Doch nicht für jeden ist Fasten geeignet. Immerhin ist das Fasten eine herausfordernde Zeit, aus der man zwar gestärkt hervorgehen kann, die aber bei sensiblen oder vorerkrankten Menschen auch unerwünschte Effekte haben kann. Menschen mit einer (vergangenen) Essstörung zum Beispiel sollten tendenziell auf das Nahrungsfasten verzichten, da alte Verhaltensmuster reaktiviert werden könnten. Menschen, die beispielsweise in der Vergangenheit eine Essstörung überwunden haben, sollten ihren Fastenwunsch vorab mit einer Expertin oder einem Experten besprechen. Generell ist es ratsam, während der Fastenzeit von Expertinnen und Experten betreut zu werden oder als Teil einer Gruppe das Fasten gemeinsam anzugehen und durchzustehen.

Langfristige Verhaltensumstellung

„Möchte man langfristig etwas ändern – zum Beispiel sich gesünder ernähren -, kann das Fasten ein guter Auftakt sein. Um die positiven Effekte gesunder Ernährungsweisen langfristig zu erleben, muss das Verhalten dauerhaft umgestellt werden“, so Dr. Jähne. Dazu braucht es Durchhaltevermögen. Denn neue Verhaltensweisen fest im eigenen Alltag zu etablieren, dauert im Schnitt etwa zwei Monate. Dann ist die neue Verhaltensweise zu einer Gewohnheit und damit zu einer Routine geworden und nimmt dem Gehirn Arbeit ab – es muss nicht mehr über die Verhaltensweise nachgedacht werden, sondern sie läuft automatisiert ab.

Über die Oberberg Gruppe: Die Oberberg Gruppe mit Hauptsitz in Berlin ist eine vor mehr als 30 Jahren gegründete Klinikgruppe mit einer Vielzahl an Fach- und Tageskliniken im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an verschiedenen Standorten Deutschlands. In den Kliniken der Oberberg Gruppe werden Erwachsene, Jugendliche und Kinder in individuellen, intensiven und innovativen Therapiesettings behandelt. Darüber hinaus existiert ein deutschlandweites Netzwerk aus Oberberg City Centers, korrespondierenden Therapeuten und Selbsthilfegruppen.

Buch-Neuerscheinung: „Psychische Erkrankungen – und die Auswirkungen einer Pandemie“

Das im Elsevier Verlag erschienene Buch „Psychische Erkrankungen – und die Auswirkungen einer Pandemie“, herausgegeben von Matthias J. Müller und Mathias Berger, bietet die Möglichkeit, sich mithilfe ausgewiesener Expertinnen und Experten in wissenschaftlich fundierter und zeitgleich gut verständlicher Weise einen Überblick über die Charakteristika der wichtigsten psychischen und psychosomatischen Erkrankungen von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern zu verschaffen: https://ots.de/W305qY

Pressekontakt:
HOSCHKE & CONSORTEN ([email protected]) www.oberbergkliniken.de
Original-Content von: Oberberg Kliniken, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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