Freitag, Januar 23, 2026

Übergewicht: Forderung nach klaren Vorgaben für Lebensmittel-Industrie / Fettleibigkeit wird zunehmend zum Problem. Die Politik müsste stärker eingreifen, sagen Ernährungsexperten

Baierbrunn (ots) –

Pizza, Burger, Schokoriegel, Kekse, Limonaden: Weltweit wird gesunde Ernährung zugunsten industriell gefertigter, hochgradig verarbeiteter Lebensmittel verdrängt. Diese Zubereitungen enthalten oftmals viele Kalorien und treiben den Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe. Im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ fordern Experten daher, dass die Politik stärker eingreift und verbindliche Maßnahmen in Richtung Industrie setzt.

Hochkalorische Nahrung überall günstig verfügbar

Ein Übermaß an Zucker und Weißmehl – das überfordert nachweislich den Stoffwechsel und lässt die Leber verfetten, was wiederum Diabetes und weitere chronische Folgeerkrankungen bis hin zu Krebs befördern kann. Weltweit ist Adipositas auf dem Vormarsch. Das Gewicht dieser Menschen gerät auch deshalb außer Kontrolle, weil industrielle, hochkalorische Nahrung fast jederzeit und überall günstig zu haben ist. Ungesunde Lebensmittel herzustellen sei für die Industrie schlichtweg zu lukrativ, beobachtet Oliver Huizinga von Foodwatch Deutschland: „Die Gewinnspanne bei Keksen, Schoko und Knabberzeug ist drei- bis viermal so hoch wie bei Gemüse und Obst. Die Konzerne haben ein großes Interesse, mehr von jenen Produkten zu verkaufen, von denen wir eigentlich weniger essen sollten.“

„Beweg dich mehr, iss gesünder“ – mit solchen Appellen verschiebt die Politik die Verantwortung auf die Konsumentinnen und Konsumenten. Zudem setzt sie fast ausschließlich auf Aufklärung, sagt Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Appelle seien bisher jedoch gescheitert: „Erreicht werden dadurch vor allem diejenigen, die sowieso schon gesundheitsbewusst leben“, beklagt Bitzer. „Bildungsferne Schichten hingegen werden abgehängt.“ Fakt ist: In armen Familien ist die das Risiko für Kinder, adipös zu werden, vierfach erhöht. Es brauche, so Bitzer, deshalb verbindliche Maßnahmen, die es allen erleichtern, sich gesund zu ernähren, das Gewicht unter Kontrolle zu halten – und Vorgaben an die Industrie.

Steuerliche Erleichterung für gesunde Lebensmittel

Die DDG empfiehlt genauso wie die Weltgesundheitsorganisation WHO (euro.who.int/de) und das Wissenschafts- und Medizinbündnis DANK (dank-allianz.de) drei verbindliche Maßnahmen: eine „gesunde Mehrwertsteuer“ mit steuerlicher Erleichterung für gesunde Lebensmittel wie Nüsse, Gemüse oder Obst, einen deutlich erhöhten Steuersatz für zuckerhaltige Getränke sowie eine transparente Kennzeichnung von Produkten wie auch ein Werbeverbot für ungesunde Produkte in Bezug auf Kinder.

Einen Lichtblick gibt es immerhin: In Deutschland und in anderen europäischen Ländern wurde der Nutri-Score eingeführt, allerdings nur auf freiwilliger Basis. Die Farbampel von Rot für ungesunde bis Grün für gesunde Lebensmittel vermittelt einen schnellen Überblick zu Nährwerten und ist auf der Packung abgedruckt. In Frankreich soll der Nutri-Score das Einkaufsverhalten schon positiv beeinflussen, und erste Hersteller haben ihre Rezepturen bereits angepasst.

Diese Meldung ist nur mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 10A/2021 ist aktuell in den meisten Apotheken erhältlich. Viele weitere interessante Gesundheits-News gibt es unter https://www.apotheken-umschau.de sowie auf Facebook (https://www.facebook.com/Apotheken.Umschau/) und Instagram (https://www.instagram.com/apotheken_umschau/).

Pressekontakt:
Katharina Neff-Neudert
Tel. 089 / 744 33 360
E-Mail: [email protected]
www.wortundbildverlag.de
Original-Content von: Wort & Bild Verlag – Gesundheitsmeldungen, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

Mehr vom Autor

CanDoc-Gründer haftet persönlich und muss 20.000 Euro Ordnungsgeld zahlen

Düsseldorf (ots) - AKNR geht erfolgreich gegen Plattform und Stefan Fritsch persönlich vor Das Ordnungsmittel gegen den Gründer...

Autoderm ergänzt digitales Gesundheitsökosystem von DocMorris mit KI-Hautanalyse

Barcelona/Köln (ots) - Autoderm (http://www.autoderm.ai), das KI-gestützte dermatologische Medizinprodukt, ist ab sofort offiziell in die DocMorris App...

ÄFI weisen verzerrte Einordnung ihrer Position durch den Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks zurück

Berlin (ots) - Methodische Klarstellung der Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) zur aktuellen...

Fortbildungsstandort „Junge Kardiologie“ rezertifiziert

Bad Berka (ots) - Die Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin der Zentralklinik Bad Berka wurde als...

Ähnliche Artikel

Advertismentspot_img

Neueste Beiträge

CanDoc-Gründer haftet persönlich und muss 20.000 Euro Ordnungsgeld zahlen

Düsseldorf (ots) - AKNR geht erfolgreich gegen Plattform und Stefan Fritsch persönlich vor Das Ordnungsmittel gegen den Gründer der Plattform CanDoc, Stefan Fritsch, ist rechtskräftig....

Autoderm ergänzt digitales Gesundheitsökosystem von DocMorris mit KI-Hautanalyse

Barcelona/Köln (ots) - Autoderm (http://www.autoderm.ai), das KI-gestützte dermatologische Medizinprodukt, ist ab sofort offiziell in die DocMorris App (https://www.docmorris.de/lp/app) integriert. Als eine der führenden europäischen...

ÄFI weisen verzerrte Einordnung ihrer Position durch den Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks zurück

Berlin (ots) - Methodische Klarstellung der Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) zur aktuellen Berichterstattung des "Faktenfuchses" des Bayerischen Rundfunks (BR)...