Dienstag, März 10, 2026

BPI warnt nach Zoll-Einigung zwischen EU und USA: Pharmasektor weiter unter Druck – Gesundheitsversorgung nicht hinreichend geschützt

Berlin (ots) –

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die EU und die USA auf ein vorläufiges Abkommen im Zollkonflikt geeinigt. Die USA werden künftig einen pauschalen Zollsatz von 15 Prozent auf EU-Importe erheben – darunter, mit Ausnahme bestimmter Generika, auch pharmazeutische Produkte. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) sieht trotz leichter Entspannung keinen Grund zur Entwarnung: „Unsere Industrie ist erneut in Mitleidenschaft gezogen worden. Dass nun erstmals auch Arzneimittel unter einen pauschalen Zollsatz fallen sollen, ist ein besorgniserregender Tabubruch. Er legt erneut die Verwundbarkeit globaler Lieferketten im Gesundheitsbereich offen“, betont der BPI-Vorsitzende Oliver Kirst.

„Auch wenn die ursprünglich drohenden 30 Prozent abgewendet wurden, bleibt der pauschale Zollsatz von 15 Prozent für Arzneimittel eine ernste Belastung – sowohl für unsere Unternehmen als auch für die Versorgung in Europa und den USA insgesamt“, betont Kirst. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte gestern Abend nach den Verhandlungen, dass mit dem Zollkompromiss eine neue Planungssicherheit für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks geschaffen worden sei. Sie deutete jedoch an, dass bei der Frage, wie mit Arzneimitteln künftig verfahren werde, weitere „Sonderregelungen“ folgen könnte – was aus Sicht des BPI keinen echten Stabilitätsgewinn darstellt. „Es bleibt also abzuwarten, was da noch kommt“, sagt Kirst.

Zölle treffen direkt und indirekt

Die neue Vereinbarung lässt auch bestehende Zollsätze unangetastet – insbesondere auf Stahl und Aluminium. Diese unterliegen weiterhin einem Zollsatz von 50 Prozent. Kirst stellt klar: „Wenn es um Zölle geht, stehen Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten generell unter Druck – auch indirekt über die Lieferketten. Werden Vorprodukte, Hilfsstoffe oder Verpackungsmaterialien teurer, hat das unmittelbare Auswirkungen auf Produktion und Versorgung. Für die medizinische Versorgung ist entscheidend: Arzneimittel, Medizinprodukte, Kombiprodukte sowie Tierarzneimittel und veterinärmedizintechnische Produkte dürfen nicht zum Spielball von Handelskonflikten werden.“

Zusätzliche Risiken durch Referenzpreisdiskussion

Neben der Zollpolitik rückt eine weitere internationale Entwicklung zunehmend in den Fokus der pharmazeutischen Industrie: Die Diskussion um die Einführung sogenannter „Most Favored Nation“-Mechanismen in der US-Arzneimittelpreisbildung. „Was auf den ersten Blick nach einer entlastenden Maßnahme für das US-Gesundheitssystem klingt, birgt erhebliche Risiken für die europäische Arzneimittelversorgung. Würden die USA künftig ihre Arzneimittelpreise an den – ohnehin niedrigeren – europäischen Preisniveaus orientieren, würde dies die globale Preisarchitektur fundamental verändern“, warnt Kirst. „Wenn Hersteller befürchten müssen, dass ihre in Europa erzielten Preise künftig direkt auf den US-Markt durchschlagen, wird das unweigerlich Auswirkungen auf Launch-Entscheidungen haben. Eine mögliche Folge wäre, dass Unternehmen europäische Märkte bewusst meiden, um ihre Preisbasis in den USA nicht zu gefährden – mit direkten Auswirkungen auf die Versorgungslage hierzulande“, sagt Kirst.

Gesundheit darf kein Kollateralschaden der Handelspolitik sein

Der BPI appelliert daher an die europäische und deutsche Politik, den Pharmastandort Europa gezielt zu stärken und globale Liefer- und Handelsbeziehungen dauerhaft abzusichern. „Unsere Industrie braucht Planungssicherheit, fairen Marktzugang und eine klare politische Haltung zur strategischen Relevanz der Gesundheitsversorgung“, fordert Kirst. „Nicht nur Zölle, sondern auch regulatorische Eingriffe in die globale Preisbildung gefährden langfristig den Zugang zu innovativen Therapien – die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Arzneimitteln darf niemals unter wirtschaftlichen oder geopolitischen Erwägungen leiden.“

Hintergrund: Die USA sind Deutschlands wichtigster Partner im pharmazeutischen Handel. Laut BPI-Pharma-Daten 2024 (https://www.bpi.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=81021&token=c94916c479598c5343e03f0f9ab7cebb46f9d64a) gingen rund 23 Prozent aller deutschen Arzneimittelexporte im Wert von 26 Milliarden Euro in die USA. Im Gegenzug importierte Deutschland 2023 pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von 12,4 Milliarden Euro aus den USA – rund 17 Prozent der Gesamteinfuhren.

Pressekontakt:
Laura Perotti (Stellvertretende Pressesprecherin),
Tel. 030 27909-131, [email protected]
Original-Content von: BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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