Dienstag, Januar 20, 2026

Mehr als nur kosmetische Korrekturen nötig / Auf dem Podium der Brost-Akademie äußerte nicht nur NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Zweifel an der geplanten Klinikreform der Bundesregierung

Essen (ots) –

Spätestens seit Ausbruch der Coronapandemie bewegt kaum ein Thema die Menschen im Land mehr als die klinische Versorgung, die für das Gesundheitssystem kaum noch finanzierbar ist. 85,9 Milliarden Euro wurden 2021 von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für den Krankenhaussektor ausgegeben, was einem Anteil von 30,1 Prozent an den Ausgaben insgesamt entspricht.

„Wir sind alle Patienten, wenn nicht akut dann im Laufe des Lebens, spätestens im Alter. Bei der Krankenhausreform geht es um unsere innersten Angelegenheiten“, eröffnete Prof. Bodo Hombach, Präsident der Brost-Akademie, die Veranstaltung am 20. April, bei der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der ärztliche Direktor der Kliniken Essen Mitte, Prof. Dr. Andreas du Bois und die Vizepräsidentin der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gundula Werner unter der Moderation von Wissenschaftsjournalistin Dr. Christina Berndt über „Das Krankenhaus der Zukunft“ diskutierten.

Die von der Bundesregierung geplante Reform ist nicht nur unter Experten umstritten, auch bei den Anwesenden im vollbesetzten Erich-Brost-Pavillon löst sie eher ungute Gefühle aus. Professor Bodo Hombach traf in seiner Begrüßung erkennbar den Nerv des Publikums.

Was sich Hauptredner Karl-Josef Laumann (CDU) für die Reform der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen ausgedacht hat, könnte die Bürger bei erfolgreicher Umsetzung seiner Pläne ruhiger schlafen lassen. Auch der NRW-Gesundheitsminister sieht überfälligen Reformbedarf bei den Krankenhäusern, deren Standards künftig über 64 Leistungsgruppen definiert werden sollen, mit entsprechenden Gütekriterien hinterlegt. Laumann: „Wir haben alle Beteiligten, Ärzte, Pflegepersonal sowie die Träger der Kliniken an einen Tisch geholt, um konsensfähige Zukunftslösungen zu finden.“

„Ein erster Erfolg der bereits angestoßenen NRW-Reform ist, dass die Kliniken intensiv miteinander reden. So vermeiden wir Doppelstrukturen und sinnlose Konkurrenzen“, stimmt Prof. Dr. Andreas du Bois, Ärztlicher Direktor der Kliniken Essen Mitte dem Gesundheitsminister zu.

Laumanns zentrale Kritikpunkte an den Vorschlägen der Bundesregierung: „Die Krankenhausplanung ist Ländersache, wir können den vorhandenen Strukturen nicht einfach eine Bundesschablone aufdrücken.“ Inhaltlich unterscheiden sich die Reformpläne durch die qualitative Orientierung an den Leistungen der Kliniken (NRW) oder die Einteilung in unterschiedliche „Qualitätslevel“, wie sie Lauterbachs Expertenkommission empfiehlt. Für die Toplevel II und III bräuchten die Krankenhäuser danach eine Geburtenstation sowie eine Schlaganfall-Unit und in Level III sogar einen Hubschrauberlandeplatz!

In der Bewertung von Dr. Gundula Werner, Vizepräsidentin der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), beinhalten die Überlegungen der Bundesregierung einen weiteren Geburtsfehler. „Der Hauptirrtum liegt darin, Deutschland als eine weiße Fläche zu betrachten, in die man die Kliniken der Zukunft einfach einsetzt. Dabei bleiben regionale Strukturen völlig unberücksichtigt. Für Thüringen würde es bedeuten, dass von 18 Geburtskliniken neun schließen müssten“, so die Geschäftsführerin der Kliniken Altenberger Land.

In NRW müssten sich 52 Prozent aller werdenden Mütter eine andere Klinik für die Geburt suchen, außerdem dürften acht der zehn größten Brustkrebszentren nicht mehr wie bewährt behandeln. Laumann: „Wir brauchen diese Level nicht!“ Er möchte auch den kleinen Regionalkrankenhäusern „aus Respekt vor der jahrzehntelangen Leistung“ eine Chance aufs Überleben lassen, trotz der Dringlichkeit einer Reform. „Es wird nicht alles zu 100 Prozent klappen, das haben schon unsere Simulationen gezeigt. Aktuell machen beispielsweise alle Unikliniken in NRW Miese. Mit einem Mix aus verschiedenen Leistungsbereichen könnte aber gelingen, dass alle Krankenhäuser schwarze Zahlen schreiben.“ Dazu brauche es jedoch Synergieeffekte statt eines Konkurrenzkampfes unter den Kliniken.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass am Ende eine Reform steht, die gemeinsam mit unseren Plänen in Nordrhein-Westfalen für eine neue Krankenhausplanung vieles zum Wohle der Patientinnen und Patienten verbessern kann“ , so NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Weitere Informationen und Bilder der Veranstaltung gibt es auf: https://broststiftung.ruhr/mit-kosmetischen-korrekturen-ist-es-nicht-getan/

Pressekontakt:
Anna-Lea Loges
Referentin Projekte und KommunikationBrost-Stiftung, Huyssenallee 11, 45128 EssenTel.: +49 (0)201.7499 36-218
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Quelle: ots

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